Der Consultingmarkt ist einer der umsatzstärksten Märkte – nicht nur in Deutschland. Da der Begriff „Berater“ auch nicht geschützt ist, kann praktisch jeder in diesen Markt einsteigen, sofern er/sie ein verkaufsfähiges Produkt hat. Diese niedrige Hürde ist natürlich ideal, wenn man zunächst nebenberuflich einsteigen und testen möchte, ob das eigene Produkt auch auf dem Markt „funktioniert“. Deshalb die Frage: „Woran muss man denken, wenn man nebenberuflich als Berater starten will?“

Woran muss man denken, wenn man nebenberuflich als Berater starten will?

Ich hatte dieser Tage eine entsprechende Anfrage von einem XING-Kontakt:
„Ich bin auf der Suche nach nebenberuflichen, temporären Beratungseinsätzen für mich und würde gerne Ihre Einschätzung hören, wie Sie den Markt dafür sehen.“


6 Wege für erfolgreiches Online-Business

Jetzt herunterladen!


Im folgenden Blogartikel lesen Sie meine Antwort und Meinung dazu, was man bei einem nebenberuflichen Einstieg in die Beratungswelt beachten und bedenken sollte:

„Ich sehe hier drei Herausforderungen (Probleme sagt man ja nicht mehr 🙂 ) für Sie:

1. Die zeitliche Schiene

Ich weiß natürlich nicht, wie flexibel Sie in Ihrer Arbeitszeitgestaltung sind, aber es wäre gut, wenn Sie sich zumindest zeitweise wenigstens 3 Tage in der Woche „freischaufeln“ können, um vor Ort beim Kunden zu sein. Gerade in der Startphase eines Beratungsprojektes muss der Projektleiter präsent sein.
Sie sollten sich auch einen stabilen und zuverlässigen Beraterkollegenkreis zulegen, aus dem Beraterkollegen bestimmte Aufgaben für Ihre Projekte übernehmen können.
Dann sollten Sie den Aufwand für die Projektarbeit „nach Feierabend“ nicht unterschätzen. Mir geht es zumindest so, dass ich abends von meiner Angestelltentätigkeit manchmal ziemlich erschöpft bin und dann wenig Kraft für andere anspruchsvolle Arbeiten habe. Vielleicht haben Sie ja eine Assistenzkraft, die Sie dabei unterstützt. Falls nicht, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, sich für Routinearbeiten Hilfe zu holen. Hier leite ich gleich mal nahtlos auf die zweite Herausforderung über:

2. Das Marketing oder Woher bekommen Sie Ihre Kunden?

Auch hier fehlen mir natürlich Informationen. Vielleicht haben Sie bereits einen Kundenstamm, bei dem Sie als freiberuflicher Berater einsteigen können – umso besser! Mund-zu-Mund-Propaganda ist immer noch die beste Marketingmethode.

Trotzdem brauchen Sie einen professionellen Web-Auftritt (Google liebt Seiten, die mit WordPress erstellt werden) und die Möglichkeit, Kontaktdaten potentieller Interessenten zu sammeln. Das hier weiter auszuführen, ist ein Kapitel für sich, aber hier kann ich Ihnen bei Bedarf mein Coaching anbieten. Diese Interessenten sollten dann wiederum regelmäßig kontaktiert werden (es geht um Vertrauensaufbau) – hierbei könnte Ihnen die Assistenzkraft behilflich sein. Andere Marketingmethoden sind zum Beispiel Vorträge und Seminare, Mailings, Social-Media-Kanäle, ein eigenes eBook usw.

Last but not least benötigen Sie ein Alleinstellungsmerkmal bzw. die Antwort auf die Frage: „Warum sollen die Leute zu Ihnen kommen?“ Sie können diese Antwort als „Ich helfe Unternehmen…“-Botschaft verpacken.

3. Die fachlichen Herausforderungen/der Markt

Prozessoptimierung wird im Prinzip sowohl im Industrial Engineering als auch im Lean Management betrieben. Meiner Meinung nach ergänzen sich beide Bereiche prächtig. Im wahren Leben sind die Protagonisten nicht immer gut aufeinander zu sprechen oder handeln aneinander vorbei. Sie als Berater brauchen Kenntnisse aus dem Lean-Management und der wichtigsten Lean-Methoden, zusätzlich ist REFA nützlich. In Deutschland haben nur 4% der Unternehmen Lean Management erfolgreich eingeführt. Unter dieser Prämisse denke ich, dass der Markt ausreichend groß ist. Allerdings müssen die Führungskräfte wollen – und das ist nicht immer gegeben.

Bei meinem pragmatischen Ansatz nutze ich immer auch Zeitmessungen. Sobald Sie Zeitstrukturen kennen oder wissen, wie lange die Produktion eines Teiles dauert, haben Sie die Hebel für die Prozessoptimierung in der Hand. Zeitmessungen sind etwas aus der Mode geraten, seit McKinsey die Abteilungen für Arbeitsvorbereitung in den 90er Jahren dem überflüssigen Overhead zugeordnet hat. Bei Zeitmessungen (oder Videoanalysen) ist auch immer der Betriebsrat mit im Boot – eine ernstzunehmende Hürde.

Gut wäre, wenn Sie sich auf etwas spezialisieren könnten. Bloß nicht mit dem Bauchladen „Das kann ich auch alles!“ ankommen.

Ich hoffe, ich konnte etwas helfen.“

Nebenberuflich als Berater starten?

Startup Stock Photo

Wie kommt man aus dem Präsenz-Dilemma heraus?

Mein Interessent hat dann in einer Antwortmail diese Gedanken bestätigt, woraufhin ich ihm ebenfalls noch einmal geantwortet habe:

„Sie stehen vor demselben Problem wie ich – Sie würden gern beraten, haben aber keine Zeit für die Kunden vor Ort. Vielleicht ist Online-Consulting bzw. Coaching für Sie der richtige Weg.“

Mit anderen Worten: Gerade als Berater hat man die Chance, sein Wissen in Info-Produkte zu verpacken und diese Online oder per Telefonkontakt zu vermarkten. Die Zielrichtung ist also etwas anders. Man verkauft nicht seine Präsenz vor Ort, sondern sein Know-How, das natürlich einfach anwendbar aufbereitet sein muss. Das können zum Beispiel Excel-Templates oder fix- und fertig vorbereitete Präsentationen sein. Eine andere Möglichkeit sind kleine Anleitungs-Videos. Vielleicht auch Anleitungen im Podcast-Style. Oder…

Haben Sie hier Erfahrungen? Ich würde mich freuen, wenn Sie die Kommentarfunktion nutzen!